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Deutsches Sagenbuch
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Vorbehalten Inhalt  

  1. Geist Käsperle
  2. Der Klopfer und der Staufer Geist
  3. Die ledernen Männdle
  4. Verzettelte Kohlen
  5. Die Heiden
  6. Breithut und andere Geister
  7. Reißenstein und Riese Heimen-Stein
  8. Herrgottsritte
  9. Teufelsmühle und -wehre
  10. Von Drachenbergen

930. Geist Käsperle

Ein ähnlicher Geist wie der Poppele auf Hohenkrähen war der Kasperle oder Käschperle, auch eines Vogts, und zwar zu Gomaringen, der in einem einzelnen Hause spukte, welches das Volk Aunaut (Unnot) nennt. Gleich dem bösen Zöllner Starhart oder Starkhart zu Stockstadt machte er allerlei Spuk und Rumor in Haus und Hof, Stall und Scheuer, Boden und Keller, absonderlich gegen Weihnachten und in den Zwölften. Auch er machte alles verkehrt, wie so viele andere Käschperle, war auch ein Raucher und plätzte zum Fenster heraus, ähnlich dem Schimmelreiter Jäckele. Endlich war er auch ein Schnupfer und hielt den Leuten eine Dose hin, die war grün wie ein Kuhfladen und roch keineswegs nach Tonkobohnen. Wollte aber jemand dennoch eine Prise nehmen, so zog er schnell die Dose weg. Zuletzt wurde das Haus gar abgebrochen, darin er spukte, und man führte das Holz herein ins Dorf Gomaringen und gedachte, den Käsperle los zu werden. Dieser aber wartete, bis der letzte Wagen vollgeladen war, da saß er obendrauf und machte sich und die Last so schwer, daß die Pferde den Wagen kaum fortziehen konnten, denn der Umzug war nicht nach seinem Sinne. Und kaum waren des Hauses alte Schwellen wieder gelegt und die ersten Balken aufgerichtet, da war auch das Käsperle da und begann von neuem seine beschwerlichen Possen. Endlich kam man auf den Gedanken, nachdem der Geist sechs volle Jahre gespukt hatte, den Körper des Vogts auszugraben, und siehe, der Leichnam ward noch unverwest und blutig befunden. Da wurde er noch einmal begraben, und von da an ward der Kasperle nimmer zu Gomaringen gesehen.

931. Der Klopfer und der Staufer Geist

Nahe dem berühmten Staufenberge, darauf der Hohenstaufen mächtige Wiege stand, von der auch die letzte Trümmer vom Zahn der Zeit hinweggenagt ward und nichts blieb als im Markt Hohenstaufen dicht am Burgberge in der Kirche des alten Barbarossa erneutes Bild und die wehmütige Inschrift: Hic transibat Caesar – ragt auf stattlicher Höhe das noch erhaltene Bergschloß Hohenrechberg. In dieser Burg haust bis auf diesen Tag ein Geist, der Klopfer, insgemein Klopferle genannt, unterschieden von dem Klopfer im Schlosse zu Flügelau, der ein gar dienstwilliger Hülfsgeist war und doch recht koboldhaft tückisch, denn als er einst erzürnt ward, fuhr er feurig durch den Schornstein und steckte das ganze Schloß in Brand. Der Rechberger Klopfer erscheint als ein vorhersagender, ahnungsvoller Geist. Ein Ritter von Rechberg, Ulrich II., war in die Ferne gezogen, in Kampf und Krieg, und vergebens hoffte seine Hausfrau, Anna von Wenningen, auf seine Wiederkehr. Der Ritter hatte einen treuen Hund, der wußte Briefe zu tragen – wie der kluge Stutzel zu Winterstein – und kam bisweilen und brachte Kunde, endlich aber blieb der Hund ganz aus. Eines Tages betete die Frau brünstig für ihren fernen Gatten, da störte ein lautes Klopfen sie im Gebet, und endlich rief sie unwillig aus: Ei so klopfe ewig und drei Tage! Und da sie öffnete, war es der treue Hund, der blickte sie gar traurig an und hatte keinen Brief. Und nach drei Tagen führten Knappen den Rechberger als Leiche in sein Schloß. Und als nachher die Frau sich tot grämte, hörte sie vor ihrem Tode das Klopfen wieder, schalt nicht mehr, sondern sagte bloß: Ich komme – und starb nach dreien Tagen. Und nun hat es stets drei Tage vor dem Tode eines jeden Rechbergers geklopft, ohne daß jemals eine Erscheinung sichtbar geworden. Der Rechberger Geschlecht aber stieg zu hohen Ehren, ward in den Grafenstand erhoben und schreibt sich Grafen vom Rechberg und roten Löwen. Seit 1317 wurde das alte Steinhaus Hohenrechberg genannt und geschrieben. Im alten Schloß zu Sachsenheim wohnt auch ein unruhigtätiges Klopferle.

Ein anderer Geist wandelt in Gestalt eines Lichtes, ist also unzweifelhaft ein Lichtgeist, von Hohenrechberg nach Hohenstaufen und wieder zurück, und zwar hauptsächlich zur Herbstzeit, unbeirrt durch Sturm-und Regennächte. Bald geht das Licht langsam, bald erhebt es sich, zuzeiten wächst es wie ein Backofenfeuer, wandelt an der Burg vorbei bis zu einer Stelle unter der Kirche höchst auf dem Burgberge und legt sich dann gegenüber an den Hohenstaufen bis zur Morgenglocke. Die Umwohner nennen dieses Licht den Staufer Geist und mögen wohl im stillen dafür halten, daß es ein Licht für sich sei wie jenes bei der Lerch, und die Sage verlautet nicht, daß schon einer so vorlaut gewesen, es anzureden.

932. Die ledernen Männdle

Bei Owen hat es viele Erdzweige gegeben, man nannte sie Erdwichtele, und im Tiefenbacher Walde, der sich von Owen nach Frickenhausen erstreckt, gab und gibt es noch die meisten. Von dem schwäbischen Frickenhausen wird auch mancherlei erzählt. Diese kleinen Tiefenbacher wurden auch lederne Männdle benannt, wahrscheinlich wegen ihrer ledernen Hautfarbe und verschrumpfelter Gesichtlein; doch meinen einige, es müßten Schneider und Handschuhmacher gewesen sein, da sie ja von Schiller in Wallensteins Lager als solche ausdrücklich erwähnt würden, und der habe als ein Schwab das doch wissen müssen. Sie, die ledernen Männdle, sollen auch das Echo hervorbringen; wenn man solches im Tiefenbacher Walde, in Ständekammern oder sonstwo hört, so sagen die Leute: Das lederne Männdle schreit. – Auch anderwärts ist dieses allgemeiner Volksglaube, und man sollte nimmer meinen, was es trotz aller Aufklärung seit Doktor Luthers Zeiten her noch allenden für eine furchtbare Menge lederner Männdle gibt.

933. Verzettelte Kohlen

Bei Geislingen hart am Fuß der Rauhen Alb gab es in den Bergen auch viele Erdwichtele, von denen haben die Geislinger gelernt, die gar feinen und künstlichen Elfenbeinarbeiten zu fertigen, die dort so billig wie in Berchtesgaden feilgeboten werden. Einst kam so ein Erdmännele zu einer Geislinger Hebamme und rief sie zum Mitgehen zu seiner Frau, die wollte aber nicht gehen ohne Begleitung ihres eigenen Mannes, denn sie traute dem ledernen Männdle nicht so ganz. Dieses selbiges war die Bedingung auch zufrieden und leuchtete voran; es ging in einen Berg mit schönen unterirdischen Gemächern, und ging auch drinnen alles gut und glücklich vonstatten und war baldigst wieder ein ledernes Männdle mehr auf der Welt, wenigstens in der Unterwelt. Statt aller andern Gaben gab das alte Erdemännle der Hebamme einen ganzen Haufen Kohlen, die mußte sie in ihre Schürze fassen, dachte aber dabei voll Ärgers: Ei daß du verschwarze mieschtest, du wüeschtes Männdle du, wenn i weitersch nix habe soll. – Unterwegs, da das Erdemännle wieder vorleuchtete, warf die Hebamme eine Kohle nach der andern heimlich aus der Schürze; das Erdmännchen merkte das wohl, kehrte sich um und sprach ernst:

Je mehr du verzettelescht,

Je mehr du hernach bettelescht.

Als das Männchen mit Dank von dem Ehepaar geschieden war, wollte die Hebamme gar ihre Kohlen alle hinschütten, ihr Mann litt es aber nicht, sondern sagte:

Behalt, was de hascht,

Es is ja kei Lascht.

Da behielt die Frau die Kohlen, und wie sie heimkamen, waren es eitel Goldstücke. Jetzt reuete der Frau nun ihr dummes Wegwerfen, sie nahm selbst eine Laterne und rannte zurück und suchte, was sie suchen konnte, und hätte gar zu gern die Kohlen wiedergefunden, aber damit war es vorbei, und die stille Bitte, die sie an die Erdwichtele richtete, ihr doch nochmals die verzettelten Kohlen zu bescheren, blieb gänzlich unerfüllt.

934. Die Heiden

Zu Kettershausen, das nicht gar weit von Babenhausen in Schwaben liegt, heißen die Wichtelmännchen Heiden. Sie hausten allda in einem Berge und ahmten Sankt Sebald nach, sie nahmen Einkehr bei einem Wagner. Wenn sie diesem auch nicht mit Eiszapfen Feuer anmachten und einheizten, wie jener Heilige tat, so leisteten sie doch alle die Dienste, welche hülfreiche Hausgeisterlein stetig leisteten, und die dankbare Frau des Wagners legte jeden Abend ein Brötlein unter die Türe und stellte ein Krüglein voll Wasser hinzu oder auch voll Bier oder Milch, wie es kam, besonders wenn es viel zu schaffen gab, da mehrte sich auch die Zahl der Brote und Krüglein. Einmal aber, da eine Frau Nachbarin kam und lobte, wie schön es bei den Wagnersleuten sei, wie blank alles und aufgeräumt, und wie alles Spuren des Fleißes verrate, da verpappelte und verschwätzte sich die Hausfrau und ließ etwas fallen von unsichtbarer Hülfe – und da blieben die Heiden von Stund an weg und kamen nimmer wieder, und mußten nun der Wagner und seine Frau das selber tun, was sie getan haben wollten. Der Name Heiden – auch Haiden von andern geschrieben – weist deutlich auf einen verdrängten Volksstamm hin als Grundzug der so häufigst und besonders auch in Schwaben verbreiteten Wichtleinsagen. In Schwaben heißen die Wichtlein zumeist Erdmännele, Rotmänndele, Erdwichtele; es gab weiße und schwarze, und es gibt der Geschichten von ihnen sehr viele auf den Dörfern.

935. Breithut und andere Geister

In der Blaubeurer Gegend und Herrschaft spukt ein Geist, welcher Breithut genannt wird; es ist einer von den vielen gespenstigen Freischärlern, trägt einen Schlapphut und hat von dem den Namen; er hat seinen Kopf aufgesetzt und den Hut obendrauf und geht nicht zu Fuße. Er fährt vielmehr mit vier kohlpechschwarzen Rappen und lärmt und rasaunt wie der ewige Fuhrmann, der in der Gegend von Tettnang geistweis schweben muß. Die Rappen aber haben keine Köpfe. Nächst ihm gibt es noch der Geister und Geistlein in Schwaben wie Sand am Meer, noch außer denen, die zu der Schar der Erdwichtele gehören. Gut, daß sie nicht sichtbar sind, man könnte sich sonst schier entsetzen, wenn einem alle paar Schritt ein Schlapphut begegnen täte, etwa mit einem Waldschrattlebart und gefährlichen Augen.

Da heißt ein Geist Huonzel oder Kuonzel – soviel als Konradle –, der spukt bei Bühlertann; bei Wankheim und Jetenburg geht ein Wiesengeist um und führt die Leute irre; im Kusterdinger Walde bei Tübingen spukt der Eintöffeler, der geht barfuß und hat nur einen Pantoffel an; zu dessen Privatvergnügen gehört es, blitzschnell zu erscheinen und ebenso schnell wieder zu verschwinden, auch seinen Kopf vom Rumpfe schnell auf- und abhüpfen zu lassen. In Schwäbisch-Hall spukt im Salzwerk der Halgeist, dort Haalgeist genannt, er, und nicht der Teufel, sagen einige, soll es gewesen sein, der dem Salzsieder die große Nase zeigte und ihn über den Kocher hinüber auf den Gänsberg schmiß und höhnisch fragte: Ist dees nit a Wuuref? – Ein sich gern in Tiere verwandelnder Geist spukt bei Gniebel und wird der Kappelgeist genannt. Bei Riederich spukt einer als Nachtvogel, so groß wie die Tut-Osel, fliegt vor den Wanderern her, äfft sie und lacht mit Menschenstimme, gleich dem Geist Osschaert im Wanslande. Andre fahren mit Gekreisch in Gestalt eines Lichts blitzschnell den Leuten an die Fenster, so daß alles erschrickt. Soviel von den männlichen Geistern, der weiblichen gibt es nicht minder viel, so daß einer in Wahrheit sagen kann, was einmal ein vierzig Jahre alter Schwab sagte: I schwör's bei mein'm Eid, das Schwabeland ischt des geischtreichschte Land unter der Sonne!

936. Reißenstein und Riese Heimen-Stein

Eine Meile weit von der Teck in der Schwäbischen Alb, die nicht mit den Alpen der Schweiz und Tirols zu verwechseln, sondern ihren Namen von dem weißen Gestein, womit die Äcker der rauhen Gegend bedeckt sind, führen soll, hebt sich die Burgtrümmer des Reißenstein hoch auf einem steilen Felsen; dieser Berg samt der Burg hat früher der Riesenstein geheißen, und ein Riese des Namens Heim hat auch die Burg erbaut. Dieser Riese Heim hauste und haust noch als Geist in einer langen Felskluft, dem Heimenstein, dem Reißenstein gerade gegenüber. In dieser Höhle hütet der Riese noch immer seinen Schatz. Als er den Riesenstein mit Hülfe der Zwerge gebaut hatte, fehlte am obersten Fenster außen noch ein Nagel, da faßte er den ersten besten seiner Hülfsknechte beim Kragen, hielt ihn zum Fenster hinaus und ließ ihn, so zwischen Himmel und Erde schwebend, den Nagel einschlagen, dann stellte er ihn sachte wieder auf die Beine und sprach mit Lachen: Bravo, Männchen, bravo!

Es hat auch sonst noch einen Riesen Heim gegeben, der hauste im Inntale, tötete einen schädlichen Drachen, gewann des Landes Herrschaft, erbaute über den Inn eine große Brücke und gründete an ihr einen Ort, der wurde hernachmals von der Brücke Innsbruck genannt, ließ sich dann taufen und gründete das Kloster Wilten. Allda liegt dieser Riese Heim auch begraben, das Grab ist vierzehn Schuh und drei Zwergfinger lang.

Zu Hirsau ist eine Riesenkapelle, da liegt der Riese Erkinger auch in einem vierzehn Schuh langen Grabe, und gehen von dem Erkinger viele Sagen.

An der Murg gab es auch Riesen, die wurden Rotmäntel genannt und das Gundesvolk.

937. Herrgottstritte

In der schwäbischen Alb, im Aalbuch, über Heubach, liegt die Burgruine Rosenstein, auf einem steilen und schroffen Felskegel, der dennoch von wildem Rosengesträuch dicht überwachsen ist. In ihrer Nähe ist eine tiefe Höhle, die Scheuer geheißen, die sich eine halbe Stunde durch den Berg hindurch erstrecken und mit der Burg in Verbindung gestanden haben soll, So soll auch auf dem nahen Hoh-Berge eine Stadt, Hochstadt, oder Hochstädt vordessen gestanden haben, die mit der Burg durch eine lederne Brücke verbunden war, gerade wie auch die Burgen Kalenberg und Burgstall bei Friedingen an der Donau.

Auf Burg Rosenstein, gegenüber dem Scheulberg, hat Christus der Herr gestanden, und der Teufel zeigte ihm von da alle Herrlichkeit der Welt, und wollte, daß Christus niederfalle und ihn anbete – also geht die Sage. Aber Christus warf den Versucher in die nahe Teufelsklinge, und trat von dem Burgberge hinüber auf den Scheulberg (Schauelberg), hoch über das Thal von Heubach hinweg, und prägte seiner Fußtritte Spur beiden Felsen tief ein. Zu diesen Tritten ist hernachmals häufig gewallfahrt worden, ward auch ein Marienbild nahebei aufgestellt, aber die wirtembergische Regierung verbot in einem strengen Edikt vom 8. Juni 1740 das Wallen und ließ den Herrgottstritt auf Rosenstein mit Pulver wegsprengen, das gipserne Marienbild aber einziehen – Aberglauben zu verhüthen. In der Teufelsklinge mußte der Teufel tausend Jahre gefesselt liegen, und grimmige Thränen weinen, die als trübes Wasser aus ihr zu Tage flossen, nunmehr aber ist er schon längst wieder los, und spatziert hin, wohin es ihm beliebt.

Auf dem Scheulberg wachsen nahe dem Herrgottstritt Wetterkräutlein, vor denen scheuen sich die Gewitter, und zertheilen sich an seinem Scheitel.

938. Teufelsmühle und -wehre

Auch im Schwabenlande gehen Sagen von Teufelsmühlen, wie im deutschen Norden, in Österreich und sonst. Eine stand im Murgtale, nicht weit von Gernsbach, das war eine Sägemühle, und dem Müller zerriß die Flut des Talflusses sehr oft das Wehr; wünschte sich deshalb ein dauerhaftes, und daß es der Schwarze bauen möchte, wie er im Schwarzatale bei Blankenburg im Thüringerwalde auch getan. Da kam der Teufel, bereitwillig wie immer, gegen Seelenverpfändung zu tun, was ihm möglich. Wurde daher eins mit dem Müller, das Wehr über die Murg zu bauen, aber der Müller müsse ihm vergönnen, jede Nacht auf seiner Sägemühle eine Seele zersägen zu dürfen. Der Müller dachte: Säge du doch meinetwegen Seelen oder Kieselsteine, was kümmert das mich? Wenn ich nur ein Wehr habe, das meiner Mühle zu ihren zwei Gängen genug Wasser zuführt. Sonach wäre die Seelensägemühle bald fertig geworden, allein da sie recht bald, nämlich mit dem ersten Hahnschrei, fertig werden sollte, und da des Müllers Frau den Pakt belauscht, so kroch sie zeitig über das Mühlhaus auf einen Steinfels und krähte wie ein Hahn. Gleich antworteten alle Gückel im Dorfe, und der Teufel riß voller Wut das fast schon fertig gebaute Wehr wieder zur Hälfte ein.

Ebenso steht über Loffenau eine Teufelsmühle, und nahe dabei ist das Teufelsbette und das Teufelshaus; letzteres ist ein also genannter Felsen, da hat sich einmal der Teufel drangelehnt, als er einen recht glühenden Zorn hatte, und hat seine holdselige Gestalt daran abgedrückt, gerade wie am Lurleifelsen am Rhein. Ist ein stattlicher Schattenriß, der Kerl mißt acht Fuß, seine Waden sind wie zwei Fässer und seine Lenden wie Badwannen, der Kopf ist so groß wie ein württembergisch Simri, das ist ein gätliches Kornmaß. In der Nähe ist auch des Teufels Handscherben (Waschbecken), darin er seine Hände in Unschuld wäscht, wenn die Menschen ihm ihre eignen Sünden und Laster über Gebühr aufgebürdet und in die Schuhe geschoben haben.

939. Von Drachenbergen

Drachenberge gibt es in Deutschland nicht wenige; ihre Namen bezeugen den festgewurzelten Volksglauben an Drachen, die, mit dem an Lindwürme verschmolzen und fast eins, überall auf Ungeheuer der Vorzeit hindeuten, die nicht mehr vorhanden sind. Wo Sagen von Lindwürmer haften, ist insgemein die Sankt Georg-Legende mit ihnen verwachsen. Die vielen drachenhaften Gebilde an den Kirchen des romanischen Baustils gaben der Sage stets neue Nahrung. Bei Wurmlingen und seiner berühmten Wallfahrtkapelle und in der Höhle am Fuße der Wandelburg hauste und wandelte vorzugsweise ein greulicher Wurm, der ja auch Wurmlingen den Namen gab. Viele sagen, es sei gar ein Pärchen, Männlein und Weiblein, gewesen, auf daß die gute Art nicht aussterbe und die irrenden Ritter doch etwas zu tun fänden. Die Sage vom Lindwurm auf Frankenstein wie die von Limburg (Lindburg) an der Lahn wiederholt sich getreu mit der alten Limburg auf dem Lim- oder Lindberge im Neidlinger Tale im Schwabenlande, nur daß sie geradezu den heiligen Georg als Drachentöter nennt, während andere verwandte Sagen dessen mythische Persönlichkeit mehr umhüllen. Nah dem Filstale liegt das Dorf Drackenstein mit einem Drachenloch und einer Totenhöhle, wie bei Meiningen ein Drachenberg mit einem Drachen- und einem Bärengraben. Der Drache im Drachenloch bei Drackenstein soll noch immer geisten. Einst gelang ihm der Raub einer Kaiserstochter, er hielt sie gefangen fünf Jahre lang und gedachte ihr die Ehre zu, sie zu seiner Gemahlin zu erheben, aber er gefiel ihr nicht, obschon er ihr drei herrliche Kleider schenkte, darauf auf einem Sterne gestickt waren, auf dem zweiten der Mond und auf dem dritten die Sonne. Sie ging mit einem Schneider, der ihr im Walde begegnet war, durch und nahm die Kleider mit, und später heiratete sie den Schneider, und der Drache hatte das Nachsehen. Auch bei Eningen liegt ein Drackenberg; daran sollen zwei hohe Nußbäume gestanden haben, mit den Kronen ineinander verschlungen. Diese Kronen bildeten das Drachenbette, und der Drache sei gewesen wie eine ungeheuer große Klapperschlange. Ein Jäger, welcher allerlei Jagdstücklein verstand, auch wohl selbst ein Hexenmeister war, schoß mit einer gewissen Kugel die Schlange in den Kopf, da tat sie einen Schneller noch den halben Drackenberg hinauf und starb. Im Ammentale hauste ein greulicher Lindwurm, den erlegte nur dadurch ein Ritter, daß er sich über und über mit Spiegeln behing. Da der Wurm in diesen sich erblickte, meinte er, er bekomme Kameradschaft, und nahte sich nicht feindlich. Gleich darauf stieß ihm der Ritter seinen Speer in das Herz.

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