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Till Eulenspiegel
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Wie sich Eulenspiegel in Hamburg bei einem Barbier verdingte, dem Meister durch die Fenster in die Stube ging usw

EINMAL kam Eulenspiegel nach Hamburg auf den Hopfenmarkt, blieb dort stehen und sah sich um. Da kam ein Bartscherer gegangen, der fragte ihn, woher er komme. Eulenspiegel sagte: "Ich komme von dort her." Der Meister fragte ihn: "Was bist du für ein Handwerksgeselle?" Eulenspiegel antwortete: "Ich bin, kurz gesagt, ein Barbier." Der Meister dingte ihn. Und der Bartscherer wohnte auf dem Hopfenmarkt, gerade gegenüber, wo sie standen. Das Haus hatte dort, wo die Barbierstube war, bis zum Erdboden reichende Fenster nach der Straße zu. Da sagte der Meister zu Eulenspiegel: "Sieh, das Haus gegenüber, wo die hohen Fenster sind, da geh hinein! Ich komme gleich nach."

Eulenspiegel sagte ja, ging geradeswegs zu dem Haus hin und durch die hohen Fenster hinein und sagte: "Gott zur Ehr! Gott grüße das Handwerk!" Die Frau des Bartscherers saß in der Stube und spann. Sie erschrak und sprach: "Dich führt wohl der Teufel! Warum kommst du durch die Fenster? Ist dir die Tür nicht weit genug?" Eulenspiegel sagte: "Liebe Frau, zürnt mir nicht! Euer Ehemann hat mich das geheißen und hat mich gedingt als Geselle." Die Frau sprach: "Das ist mir ein getreuer Geselle, der seinem Meister Schaden tut." Eulenspiegel sagte: "Liebe Frau, soll ein Geselle nicht das tun, was ihn sein Meister heißet?"

Derweilen kam der Meister und hörte und sah, was Eulenspiegel getan hatte. Da sprach der Meister: "Wie, Geselle, konntest du nicht zur Tür hineingehn und mir meine Fenster ganz lassen? Welchen Grund hast du gehabt, daß du mir durch die Fenster hereingekommen bist?"

"Lieber Meister, Ihr hießet mich, da hineinzugehen, wo die hohen Fenster seien; Ihr wolltet bald nachkommen. So habe ich nach Eurem Geheiß getan; aber Ihr seid mir da nicht nachgekommen, wo Ihr sagtet, daß ich vorausgehen sollte." Der Meister schwieg still, denn er bedurfte Eulenspiegels und dachte: Wenn ich mit ihm mein Geschäft verbessern kann, so will ich das hingehen lassen und ihm das von seinem Lohn abziehn.

Also ließ der Meister Eulenspiegel etwa drei Tage arbeiten. Dann hieß er Eulenspiegel die Rasiermesser schleifen. Eulenspiegel sprach: "Ja, gern." Der Meister sagte: "Schleife sie glatt auf dem Rücken gleich der Schneide." Eulenspiegel sagte ja und begann, den Schermessern die Rücken ebenso wie die Schneiden zu schleifen. Der Meister kam und wollte zusehen, was er machte. Da sah er, daß bei den Messern, die Eulenspiegel geschliffen hatte, der Rücken ebenso wie die Schneide war. Und die Messer, die er auf dem Schleifstein hatte, die schliff er nach derselben Weise. Da sagte der Meister: "Was machst du bloß? Das wird ein böses Ding!" Eulenspiegel sprach: "Wie sollte das ein böses Ding werden? Es tut ihnen doch nicht weh, ich tue, wisagte: "Ich hieß dich einen bösen, heimtückischen Schalk. Hör auf und laß dein Schleifen! Und gehe wieder hin, wo du hergekommen bist!" Eulenspiegel sagte ja, ging in die Stube und sprang da zum Fenster wieder heraus, wo er hineingekommen war.

Da wurde dcr Bartscherer noch zorniger und lief ihm nach mit dem Büttel und wollte ihn fangen, damit er ihm die Fenster bezahle, die er zerbrochen hatte. Aber Eulenspiegel war schneller, er entkam in ein Schiff und fuhr von Land.

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Wie Eulenspiegel einem Bauern die Suppe begoß, übelriechenden Fischtran als Bratenschmalz hinzutat und meinte, es sei für den Bauern gut genug

VIEL SCHALKHEIT hatte Eulenspiegel den Schuhmachern angetan, nicht allein an einem Ort, sondern an vielen Stätten. Nachdem er seinen letzten Streich verübt hatte, kam er nach Stade. Da verdingte er sich bei einem Schuhmacher. Als er am ersten Tage zu arbeiten begann, ging sein Meister auf den Markt und kaufte ein Fuder Holz. Er versprach dem Bauern, ihm außer dem Geld noch eine Suppe zu geben, und brachte ihn mit dem Holz vor sein Haus. Da fand er niemanden in seinem Haus - Frau und Magd waren ausgegangen - als Eulenspiegel. Der war allein und nähte Schuhe. Nun mußte der Meister noch einmal auf den Markt gehen. Er befahl deshalb Eulenspiegel, er möge nehmen, was er habe, und dem Bauern eine Suppe machen; er habe ihm dafür einiges im Schrank gelassen.

Eulenspiegel sagte ja, der Bauer warf das Holz ab und kam in das Haus. Eulenspiegel schnitt ihm Brotstücke in die Schüssel, fand aber nirgends Fett im Schrank. Da kam er zu dem Behälter, worin übelriechender Fischtran war, und begoß damit die Suppe des Bauern. Der Bauer begann sie zu essen und roch, daß sie übel stank. Er war jedoch hungrig und aß die Suppe aus.

Inzwischen kam der Schuhmacher hereingegangen und fragte den Bauern, wie ihm die Suppe geschmeckt habe. Der Bauer sagte: "Das schmeckte alles gut, nur hatte es beinahe den Geschmack von neuen Schuhen." Damit ging der Bauer aus dem Haus.

Da mußte der Schulunacher lachen und fragte Eulenspiegel, womit er dem Bauern die Suppe begossen habe. Eulenspiegel sprach: "Ihr sagtet mir, ich sollte nehmen, was ich hätte. Nun hatte ich kein anderes Fett als Seefischtran. Ich suchte im Schrank in der Küche, aber ich fand nirgends Fett. Da nahm ich, was ich hatte." Der Schuhmacher sagte: "Nun, das ist gut so; für den Bauern ist es gut genug."

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Wie Eulenspiegel ein Weißmus allein ausaß, weil er einen Klumpen aus der Nase hineinfallen ließ

GROßE SCHALKHEIT tat Eulenspiegel einer Bäuerin an, um ein Weißmus allein zu essen. Er war hungrig und ging in ein Haus. Dort fand er die Frau allein vor. Sie saß beim Feuer und kochte ein Weißmus. Das duftete Eulenspiegel so wohl in die Nase, daß es ihn gelüstete, davon zu essen. Er bat die Frau, ihm das Weißmus zu geben. Die Frau sagte: "Ja, mein lieber Eulenspiegel, gern! Und wenn ich es selber entbehren müßte, so will ich es dennoch Euch geben, damit Ihr es allein eßt." Eulenspiegel sagte: "Meine liebe Frau, das möchte wohl nach Euren Worten geschehen."

Die Frau gab ihm das Weißmus und setzte die Schüssel mit dem Mus samt Brot auf den Tisch. Eulenspiegel war hungrig und begann zu essen. Die Frau kam dazu und wollte mit ihm essen, wie es bei den Bauern üblich ist. Da dachte Eulenspiegel: wenn sie auch kommt und ißt, so wird hier nicht lange für mich etwas übrigbleiben. Und er hustete einen großen Klumpen und spuckte ihn in die Schüssel mit dem Weißmus. Da wurde die Frau zornig und sagte: "Pfui über dich! Dieses Weißmus friß du Schalk nun allein!"

Eulenspiegel sprach: "Meine liebe Frau, Eure ersten Worte waren also: Ihr wolltet das Weißmus selber entbehren, und ich sollte es allein essen. Nun kommt Ihr und wollt mit mir essen. Ihr hättet das Weißmus wohl mit drei Bissen aus der Schüssel geholt." Die Frau sagte: "Daß dir nimmer Gutes geschehe...! Gönnest du mir meine eigene Kost nicht? Wie solltest du mir dann deine Kost geben?" Eulenspiegel sprach: "Frau, ich tue nur nach Eueren Worten." Und er aß das ganze Weißmus auf, wischte sich den Mund und ging hinweg.

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Wie Eulenspiegel in ein Haus schiß und den Gestank durch die Wand in eine Gesellschaft blies, die ihn nicht leiden konnte

IN GROßEN Tagesreisen wanderte Eulenspiegel nach Nürnberg und blieb da 14 Tage. In der Nähe der Herberge, in der er sich aufhielt, wohnte ein frommer Mann, der war reich und ging gern in die Kirche. Er verabscheute jedoch die Spielleute. Wo die waren oder wenn die dorthin kamen, wo er war, da ging er davon. Dieser Mann hatte die Gewohnheit, einmal im Jahr seine Nachbarn zu Gast zu laden. Dann tat er ihnen gütlich mit Kost und Wein und mit den besten Getränken. Und wenn in den Häusern seiner Nachbarn fremde Gäste waren, etwa zwei oder drei Kaufleute, die lud er allezeit mit ein, und sie waren ihm willkommen. Da kam die Zeit, in der jedermann Gäste einlud. Eulenspiegel wohnte zur Herberge nebenan im Nachbarhaus. Und der reiche Mann lud, wie es seine Gewohnheit war, seine Nachbarn und ihre Gäste ein, soweit es ehrbare Leute waren. Aber Eulenspiegel lud er nicht ein; den betrachtete er als Gaukler und Spielmann, die er nicht einzuladen pflegte.

Als nun die Nachbarn zu dem frommen Mann zu Gast in sein Haus gingen zusammen mit den ehrbaren Leuten, die er ebenfalls eingeladen hatte und die sie in ihren Häusern beherbergten, da ging auch der Wirt, bei dem Eulenspiegel zur Herberge war, mit seinen sonstigen Gästen, die gebeten worden waren, dorthin zu Tisch. Und der Wirt sagte zu Eulenspiegel, daß ihn der reiche Mann als einen Gaukler ansehe; darum habe er ihn nicht zu Gast geladen. Eulenspiegel gab sich damit zufrieden. Er dachte aber: Bin ich ein Gaukler, so sollte ich ihm die Gaukelei beweisen. Und ihn ärgerte doch, daß der Mann ihn so verschmäht hatte.

Es war bald nach Sankt-Martins-Tag, als das Gastmahl stattfand. Der Wirt saß mit seinen Gästen in einem köstlichen Gemach, wo er ihnen das Mahl gab. Und das Zimmer war unmittelbar neben der Wand des Hauses, wo Eulenspiegel wohnte. Als sie beim Mahl saßen und sehr guter Dinge waren, kam Eulenspiegel und bohrte ein Loch durch die Wand, die an das Gemach stieß, in dem die Gäste saßen. Dann nahm er einen Blasebalg, machte einen großen Haufen seines Drecks und blies mit dem Blasebalg durch das von ihm gebohrte Loch in das Zimmer. Das stank so übel, daß niemand in dem Gemach bleiben wollte. Einer sah den andern an: Der erste meinte, der zweite rieche so, der zweite meinte, es sei der dritte. Eulenspiegel aber hörte mit dem Blasebalg nicht auf, so daß die Gäste aufstehen mußten und vor Gestank nicht länger bleiben konnten. Sie suchten unter den Bänken, sie kehrten in allen Winkeln, nichts half. Niemand wußte, wo der Gestank herkam, so daß jedermann nach Hause ging.

Auch Eulenspiegels Wirt kam zurückgegangen. Ihm war von dem Gestank so schlecht geworden, daß er alles ausbrach, was er im Leibe hatte. Er erzählte, wie übel es in dem Gemach nach Menschendreck gestunken habe. Eulenspiegel fing an zu lachen und sagte: "Wenn mich der reiche Mann auch nicht zu Gast laden und mir seine Kost gönnen wollte, so bin ich ihm doch viel günstiger und getreuer gesonnen als er mir: Ich gönne ihm meine Kost. Wäre ich da gewesen, hätte es nicht so übel gestunken." Und sogleich rechnete er mit seinem Wirt ab und ritt hinweg, denn er befürchtete, daß es herauskäme.

Der Wirt merkte an seinen Worten, daß er von dem Gestank etwas wußte. Aber er konnte nicht begreifen, wie Eulenspiegel das gemacht hatte, und wunderte sich sehr. Als Eulenspiegel aus der Stadt heraus war, begann der Wirt, in seinem Haus zu suchen, und fand den Blasebalg, der arg beschissen war. Er fand auch das Loch, das Eulenspiegel durch die Wand in seines Nachbarn Haus gebohrt hatte. Da durchschaute er die Sache sogleich, holte seinen Nachbarn dazu und erzählte ihm, wie Eulenspiegel dies alles getan habe und wie seine Worte gewesen seien.

Der reiche Mann sprach: "Lieber Nachbar, von Toren und Spielleuten hat niemand einen Vorteil. Darum will ich sie nicht in meinem Haus haben. Ist mir nun diese Büberei durch Euer Haus geschehn, so kann ich nichts dabei tun. Ich sah Euern Gast als einen Schalk an, das las ich an seinem Wahrzeichen. So ist es besser in Euerm Haus als in meinem Haus geschehen, vielleicht hätte er mir noch schädlichere Dinge angetan."

Eulenspiegels Wirt sagte: "Lieber Nachbar, Ihr habt es wohl gehört, und also ist es auch: Vor einen Schalk soll man zwei Lichter setzen, und das muß ich wohl auch tun, denn ich muß immer allerlei Gäste beherbergen. Wenn ein Schalk kommt, muß man ihn aufs beste bewirten."

Damit schieden sie voneinander. Eulenspiegel war dagewesen und kam nicht wieder.

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